WAS ist das staatliche Pensionssystem und sein Umlageverfahren?


Unser staatliches Pensionssystem sorgt dafür, dass ich nach Beendigung meiner Jahrzehnte langen Erwerbstätigkeit, also nach meinem langen Berufsleben, im Alter, in meinem„wohlverdienten Ruhestand“, weiter ein monatliches Einkommen beziehen kann. Finanziert wird das staatliche Pensionssystem in Österreich (das ist nicht auf der ganzen Welt so!) durch das sogenannte Umlageverfahren. Dieses System heißt nicht so, weil es mich „umlegt“, weil ich so wenig heraus bekomme ;-) Nein, Umlageverfahren bedeutet in der Praxis, dass ich während der Jahre meiner Erwerbstätigkeit, Beiträge in das staatliche Pensionssystem einzahle, und meine Beiträge gleich direkt zur Finanzierung der Pensionen der heutigen Pensionisten verwendet werden. Als beruflich Aktiver finanziere ich somit ohne Umweg die schon in Pension befindlichen. Heißt aber auch: Sobald ich selbst in Zukunft in Pension gehe und bin, beziehe ich dann ebenso Leistungen aus dem Pensionssystem, die wiederum von den dann Erwerbstätigen bezahlt werden.  „Umlageverfahren“ heißt unser System also deshalb, weil meine gezahlten Pensionsbeiträge nicht für mich vom Staat rückgestellt, angespart oder gar veranlagt werden, sondern meine Beiträge gleich direkt für die Finanzierung der aktuellen Pensionsauszahlungen verwendet werden. 


WAS habe ich vom staatlichen Pensionssystem mit seinem Umlageverfahren?


Es soll mir gewährleisten, dass ich während meiner Alterspension ein stabiles Einkommen habe, das zumindest zur Deckung meiner Grundbedürfnisse reicht. Die staatliche Pension ist natürlich nicht so hoch wie mein Jobeinkommen und die Höhe meiner zukünftigen Pension ist von zwei Faktoren abhängig: Erstens, wie viele Erwerbstätige dann in Zukunft, wenn ich in Pension gehe bzw. bin, in das Umlagesystem einzahlen. Und zweitens, wie viele Pensionisten dann, so wie ich, aus dem „Umlagetopf“ entnehmen. Viele „aktive Einzahler“ sind natürlich gut… Aber: Die demographische Entwicklung in Österreich wirkt sich auf das Pensionssystem aus. Da wir Menschen immer älter werden, heißt das für das Umlageverfahren: Relativ weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Pensionisten finanzieren. 


WIE komme ich zu meiner staatlichen Alterspension?


Sobald ich einen Anspruch auf Alterspension habe, kann ich bei der Pensionsversicherungsanstalt einen Antrag auf Alterspension stellen. Frauen haben Anspruch grundsätzlich mit Vollendung des 60. Lebensjahres und Männern mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Diese Altersgrenze nennt sich Regelpensionsalter. Viele gehen -aus verschiedenen Gründen- schon früher in Pension, was regelmäßig für (politische) Diskussionen sorgt, ob wir uns das (noch) leisten können.


WANN hat das staatliche Pensionssystem für mich Sinn? 


Die Teilnahme am staatlichen Pensionssystem kann ich mir nicht aussuchen, in Österreich herrscht Versicherungspflicht. Das soll eben verhindern, dass ich bei Pensionsantritt nicht in ein finanzielles „schwarzes Loch“ falle, sondern in meinen (hoffentlich vielen langen) Pensionsjahren zumindest so viel bekomme, dass ich die Grundbedürfnisse des Lebens decken kann.


WAS kostet mich das staatliche Pensionssystem? 


Während meiner Zeit der Erwerbstätigkeit, also während aller meiner Arbeitsjahre, muss ich i.d.R. monatlich meine Pensionsbeiträge abliefern. Als Arbeitnehmer sind meine Beiträge ein Teil meines Bruttogehalts, und mein Arbeitgeber zahlt diese direkt an die Pensionsversicherungsanstalt. Mein „Pensionsversicherungsbeitrag“ beträgt mittlerweile 22,8% meines Bruttogehalts: 10,25% ist mein Dienstnehmeranteil, weitere 12,55% ist der Dienstgeberanteil. 


WAS ist der Unterschied zwischen dem Umlageverfahren und dem „Kapitaldeckungsverfahren“? 


Beim Umlageverfahren werden die von mir als Berufstätigen heute eingezahlten Pensionsbeiträge gleich direkt als Pensionen an die heutigen Nicht-Mehr-Berufstätigen ausgezahlt. Beim Kapitaldeckungsverfahren werden hingegen die von mir als Berufstätigen –i.d.R. freiwillig- eingezahlten Pensionsbeiträge in „Kapitalsammelstellen“ wie Pensionskassen und speziellen Pensionsfonds angesammelt und –hoffentlich rentabel- angelegt. Und später wird mir dann aus dem dann hoffentlich vermehrten „Kapitalstock“ ab Pensionsantritt eine „Zusatzpension“ ausgezahlt. Beim Umlageverfahren zahle ich als „Aktiver“ also Beiträge für die Pensionen anderer ein, beim Kapitaldeckungsverfahren zahle ich hingegen für meine  eigene Pension ein. Es gibt Länder, wo das Kapitaldeckungsverfahren ebenso verpflichtend ist wie das Umlageverfahren, zB in der Schweiz mit seinem „Drei-Säulen-System“.  


WER so seine Erfahrungen mit dem staatlichen Pensionssystem gemacht hat: 


„Wir haben im internationalen Vergleich die jüngsten Pensionisten und die ältesten Studenten, wie soll das finanzierbar sein?“ (Ing. Leopold Maderthaner, langjähriger Präsident der Wirtschaftskammer Österreich und „Sozialpartner“)

„Die Österreicher arbeiten im Schnitt nur 38 Jahre, genießen aber dann schon mehr als 22 Jahre die Pension. Vor vierzig Jahren haben wir noch 42 Jahre gearbeitet, verstarben aber schon acht Jahre nach der Pensionierung. Das ist eine Entwicklung, welche jedes Pensionssystem sprengen muß.“ (Univ.Prof. Dr. Theodor Tomandl, Ordinarius für Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Wien,  Vorsitzender der Pensionsreformkommission) 


WARUM so ernst? 


„Pragmatisierte Frühpension ist der Wunschtraum vieler Österreicher.“ 

„Wer in der Pension viel weniger Einkommen als in seiner aktiven Berufslaufbahn zu erwarten hat, für den gilt der Spruch: Rein ins Begnügen!“ 

(beide Zitate:Dr. Fritz Rinnhofer, Jurist, Marketingleiter, Kommunikationsmanager, Publizist, Aphoristiker)




     

  www.flugladen.at