WAS ist das „Pensionskonto“?


FBI, CIA, NSA, CSI…und jetzt noch das APG! Die mysteriösen drei Buchstaben: APG stehen für „Allgemeines Pensionsgesetz“ und regelt seit 2005 das heimische Pensionssystem für alle gesetzlich pensionsversicherten Personen, die ab dem 01.01.1955 geboren sind. Das APG ist eine Vereinfachung insofern, da vor Einführung des APG in Österreich ganz unterschiedliche Pensionssysteme für unterschiedliche soziale Gruppen gegolten haben. Das bekannteste war das ASVG (Allgemeines Sozialversicherungsgesetz), das das Pensionssystem der unselbständig Erwerbstätigen vor dem Jahr geregelt hat, und das GSVG (Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz) zur Regelung des Pensionssystems der selbständig Erwerbstätigen. Anders als in den alten Pensionssystemen werden nun im APG meine Pensionsansprüche über das sogenannte „Pensionskonto“ errechnet. So wurde für alle gesetzlich pensionsversicherten Frauen und Männer, die ab 1. Jänner 1955 geboren sind, ein individuelles Pensionskonto eingerichtet. Auf diesem Pensionskonto werden die Beitragsgrundlagen aller erworbenen Versicherungszeiten erfasst.


WAS habe ich von meinem Pensionskonto? 


Die Bemessungsgrundlage meines Pensionskontos bildet die Basis für die Berechnung meines Pensionsanspruches. Vor 2003 wurde diese Bemessungsgrundlage aus den 180 Beitragsmonaten mit meinen durchschnittlich höchsten Arbeitsverdiensten ermittelt. Dieser Zeitraum von 15 Jahren nennt sich „Durchrechnungszeitraum“. Durch die Pensionsreform 2003 wurde dieser Durchrechnungszeitraum schrittweise um 12 Monate pro Jahr angehoben. Im Jahr 2028 sollte die Durchrechnung also auf 40 Jahre angestiegen sein. Durch die Umstellung auf das APG spielt die weitere Erhöhung der Durchrechnung allerdings keine Rolle mehr. Denn im APG gilt grundsätzlich die „Lebensdurchrechnung“, die Bemessungsgrundlage wird somit auf Basis des gesamten Lebenseinkommensverlaufs berechnet. 


WIE komme ich zu meinem Pensionskontoauszug? 


Die Pensionsversicherungsanstalt verspricht, dass ich im  Laufe des Jahres 2014 automatisch meine „Pensionskontomitteilung“ zugesandt bekomme. Sobald diese bei mir einlangt, ist mein neues Pensionskonto auf dem aktuellen Stand und ich kann es jederzeit einsehen.


WANN hat mein Pensionskontoauszug für mich Sinn?


Wenn ich die Zahlen auf meinem Pensionskonto richtig verstehe und Schlüsse für meine eigene Altersvorsorge ziehe. Mein Pensionskontoauszug heißt im Amtsdeutsch „Aufstellung der jährlichen Teilgutschriften“. Die „Jahressumme der Beitragsgrundlagen“ wird mit 1,78% multipliziert und ergibt die sog. „Teilgutschrift“ am Auszug. Die 1,78% sind der sog. jährliche „Steigungsfaktor“, der im APG festgeschrieben ist. Diese „Teilgutschrift“ eines Jahres wird zur „Gesamtgutschrift“ des Vorjahres addiert und ergibt die Zahl in der Spalte „Gesamtgutschrift aufgewertet“. Das ist die Summe, die ich als Brutto-Jahrespension (in 14 Teilen) ausgezahlt bekäme, wenn ich -alle Voraussetzungen erfüllt- jetzt in Ruhestand gehen würde. „Aufgewertet“ heißt die Spalte deshalb, weil die Jahresgutschrift vor der Addition noch mit dem sog. „Aufwertungsfaktor“ rechnerisch „wertgesichert“ -„aufgewertet“- wurde. Dieser „Aufwertungsfaktor“ wird Jahr für Jahr vom Parlament gesetzlich neu festgelegt und beträgt aktuell 0,6%. Der Pensionskontoauszug zeigt mir also, welche Jahres-Bruttopension ich bekäme, wenn ich jetzt in Pension gehen würde. Aber Achtung: Die „Gesamtgutschrift aufgewertet“ ist kein reales „Guthaben“, das man einfach abheben kann. Die „Gesamtgutschrift“ ist nur ein „Versprechen“ des Staates auf Pensionszahlung auf Grund der gerade aktuellen Rechtslage. Die versprochene „Gutschrift“ wird durch keinen garantierten Gegenwert repräsentiert, sie kann mit jeder „Pensionsreform“ über den Haufen geworfen werden. Außerdem: Ab heuer werden die ASVG-Ansprüche in die APG-Rechnung übergeführt, was die „Gesamtgutschrift“ nochmals verändern wird. 


WAS kostet mich mein Pensionskonto?


Es „kostet“ indirekt: Denn meine „Gesamtgutschrift“ wird schleichend entwertet, sinkt also jährlich deutlich in seinem realen Wert. Denn der „Aufwertungsfaktor“ liegt weit unter der Inflationsrate. Inflationsausgleich, sprich „Wertsicherung“ meiner Gutschrift ist somit nicht möglich, sondern mit nur 0,6% werden die Gutschriften real entwertet. 


WAS ist der Unterschied zwischen meinem Pensionskonto und einem Sparkonto bei der Bank? 


Mein Guthaben auf einem Sparkonto kann ich jederzeit abheben. Meine „Gesamtgutschrift aufgewertet“ auf meinem Pensionskonto ist hingegen kein reales Guthaben. Die „Gesamtgutschrift“ ist nur ein „Versprechen“ des Staates auf Pensionszahlung auf Grund der aktuellen Rechtslage. So ist der Begriff „Pensionskonto“ eigentlich irreführend, weil er ein behebbares „Plus auf meinem Konto“, ein persönliches, sicheres „Guthaben“ suggeriert. Meiner „Gutschrift“ steht aber kein garantierter Gegenwert gegenüber, eine „Einlagensicherung“, wie bei Sparkonten, gibt es für meine Pensionsgutschrift nicht. 


WER so seine Erfahrungen mit dem Pensionskonto hat: 


„Um das Pensionskonto zu verstehen, muß man wohl noch mehr Geduld aufbringen als mit der Auseinandersetzung um die Pensionserhöhung.“ (Dr. Ewald Wetscherek, damaliger Generaldirektor der PVA, 2008)

  

WARUM so ernst? 


„Die neuen Pensionsregelungen lassen sich in puncto Verständlichkeit in die Nähe von Denksportaufgaben rücken.“ (Dr. Jürgen Weiss, Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform im Bundeskanzleramt von 1991-94)




     

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